1946
Die ersten Schulräume konnte die 1946 gegründete Schule in Privathäusern in den Freiburger Stadtteilen Herdern und später in der Wiehre nutzen.
1957
Das erste Schulgebäude auf dem heutigen Standort wird errichtet - eine nicht mehr benötigte Baracke, die das französische Militär in den Weinbergen bei Baden-Baden als KFZ-Werkstatt zurück gelassen hatte, konnte einer neuen Verwendung zugeführt werden. Dass dieser schon immer als Übergangsbau gedachte „Pavillon“ das aktuell älteste Gebäude des Anwesens werden würde, ist eine eigene Geschichte.
1964
Die Schule wird um den Festsaal erweitert. Seine große Bühne, sowohl von der Szenenfläche als auch von der Höhe des Bühnenhauses her, stellt einen besonderen Rahmen für vielfältige Theater- und Musikproduktionen. Im Erdgeschoss finden heute Cafeteria und Handarbeitsräume Platz.
1973
Das neue Klassengebäude stellte eine Potenzierung des Raumangebotes dasr. Die Bedeutung des Baus für die stark gewachsene Schulgemeinschaft ist angesichts seiner Dimensionen im Vergleich zum „Pavillon“ leicht anschlussfähig. Es beherbergt noch heute die Klassenräume aller Klassen, dazu Fachkabinette, Eurythmieräume u.a.m.
1980
Das Klassengebäude bekommt eine markante Erweiterung Richtung Schwimmbadstraße: Der blaue Turm wird errichtet und bietet auf drei Etagen ein vielfältiges zusätzliches Raumangebot.
1996
Der Gebäudekomplex entlang der Basler-Straße wird errichtet. Turnhalle und Werkstattgebäude schließen das Areal ab und ermöglichen der Schule ihr breit angelegtes Bildungsangebot nun auch im handwerklichen Bereich mit Holzwerkstatt, Schmiede und Metallwerkstatt, mit Scheider- und Texttilbereich hervorragend umzusetzen. Außerdem kommen hier teilweise gewerbetaugliche Maschinen zum Einsatz und bieten eine realistische Kontaktaufnahme mit diesem Bereich der Gestaltung und der Arbeitswelt.
Das erste „Solardach“ wurde in Betrieb genommen.
2013
Das bereits sehr intensiv genutzte Gelände bot keinen Platz mehr für weitere eigenständige Gebäude, die für die anwachsende Schülerzahl hätte erstellt werden können. So erhielt das Klassengebäude einen Anbau zum Denzlinger Weg hin, der vier neue Räume bereitstellen konnte.
2026
10 Jahre zuvor war der Versuch unternommen worden, die Schule in Teilbereichen energetisch zu ertüchtigen und den Westbau im Eingangsbereich neu zu gestalten. Das Projekt musste aufgegeben werden und hinterließ eine Baulücke durch bereits erfolgte Abrissarbeiten, die den Gebäudekomplex funktional stark beeinträchtigten. Dennoch mussten erst wieder Ressourcen für das Weiterbauen gebündelt werden, was Anfang der 2020er Jahre der Fall war.
Mit moderierten Bauworkshops wurden die „Werte für’s Bauen“ ermittelt, die fortan die Zielrichtung vorgaben, welche Räume gebraucht und wie priorisiert erstellt werden sollten, was bez. Qualität und Gestaltung erreicht werden sollte u.v.a.m. War zu Beginn die gesamte Schulgemeinschaft an Ideenfindung und Perspektiventwicklung beteiligt, übernahmen bis zum Schluss immer weniger Aktive die Verantwortung für deren Umsetzung, durch „Bauplenen“ immer wieder eng an die Schulgemeinschaft angebunden.
Mehr und mehr nahmen Ideen Form an, wurde aus Wünschen planbare Gestalt und im Sommer 2023 konnte schließlich der Bauantrag eingereicht werden. Dankenswerter Weise hatte das bekannte Büro Weissenrieder Architekten das Projekt aus der Entwurfsplanung übernommen und führte es als regional ansässiges Unternehmen, der Schule verbunden, zu seinem Abschluss. Synergetisch erwies sich auch die Zielsetzung der Schule, möglichst energieeffizient und nachhaltig bauen zu wollen, da das Architekturbüro bereits eine große Expertise im mehrgeschossigen Holzbau erworben hatte und es so auch gelingen konnte, den Wiedererstellungsbau zwischen Turnhalle und Festsaal als reinen Holzbau errichten zu können.
Von ähnlicher Bedeutung war die Abkehr von der Verwendung fossiler Brennstoffe, nicht nur, weil der Beginn des Ukrainekrieges die Preise für Öl und Gas (aber auch Baustoffe) in die Höhe katapultierte, sondern weil ein verantwortungsvoller, ressourcenschonender Umgang mit Rohstoffen ein wichtiger Impuls für eine Bildungseinrichtung sein sollte. Künftig wird eine Grundwasser-Wärmepumpe die nötige Energie bereitstellen, um zunächst den sanierten Westbau, später die gesamten Schulgebäude mit Wärmeenergie zu versorgen.
Ein mehrmonatiger Beratungsprozess hatte die Cafeteria neu ins Bewusstsein der Schulgemeinschaft gehoben.
Mit der Leitlinie, Bio-Produkte zu verwenden, diese selbst zu verarbeiten, regionale und saisonale Produkte und auch B-Ware verwenden zu können, punktet sie in ökologischer Hinsicht. Zudem ist sie über das Küchenpraktikum, das alle SchülerInnen der Schule durchlaufen, in das Curriculum mit eingebunden.
Die Möglichkeit, durch die Zubereitung der Speisen vor Ort auf individuelle gesundheitliche Bedürfnisse eingehen zu können, stellt darüber hinaus einen großen Vorzug dar. Welche Speisen besonders gut ankommen und was es rund um deren Darreichung zu wissen galt, wurde über einen „Genussworkshop“ evaluiert. Als sich heraus stellte, dass das Essen in Eigenproduktion vom Preis her im Vergleich zur Umstellung auf einen (Bio-)Cateringdienst nicht sehr viel teurer sei, wurde der Entschluss gefasst, die Cafeteria nicht nur weiter zu betreiben, sondern diese im Zuge des Sanierungsprojektes vollständig umzubauen. Der Speiseraum wurde vergrößert und aufgewertet, die Küche in einen anderen Gebäudeteil verlagert und stark erweitert. Möglich wurde dieser Umbau durch eine sehr großzügige Spende der SAG-Stiftung.
Mit der Baufreigabe im Januar 2024 konnten einige Vorarbeiten durchgeführt werden, die Abbrucharbeiten für den Wiedererstellungsbau zwischen Turnhalle und Festsaal, der diese später barrierefrei miteinander verbinden würde, wurden auf die letzten Schulwochen des Schuljahres terminiert.
„Bauen im Bestand“ ist eine Redewendung, die von Erfahrenen oft mit einer wissenden Miene bedeutungsvoll gesprochen wird. Auch bei diesem Projekt, entwickelte „Bauen im Bestand“ eine Dynamik, die nicht an jeder Stelle leicht zu überwinden war. Nach einer langen Phase, in der das Projekt fast verwirrend planmäßig durchgeführt werden konnte, begann eine Strecke von gefühlten Achterbahnfahrten, als sich zeigte, dass die Decke der Cafeteria (Saalboden) nicht so ausgeführt war, wie der Bauplan erwarten ließ und zunächst bez. Brandschutz ertüchtigt werden musste. Eine bis heute unerklärliche Verzögerung bei der Bereitstellung der Zimmerdecken bremste das Weiterbauen dann erst einmal für einige Monate - nach denen dann klar wurde, dass die HLS-Planung im Bereich positiver Annahmen stecken geblieben war und trotz bereits fast vollständiger Vergabe bepreister Angebote nicht darlegen konnte, wie die Energie für den Gebäudekomplex bereit gestellt werden könnte. Grundlegende Umplanungen stellten phasenweise alles in Frage: „vielleicht muss das ‚Wärmepümple‘ doch mit einer Pelletsheizung unterstützt werden? Warum nicht weiter mit Gas heizen? Kann das Brauchwasserkonzept via Durchlauferhitzer letztlich umgesetzt werden? Oder doch besser noch schnell Warm- und Kaltwasserleitungen verlegen? Können wir den Mehraufwand noch finanzieren? … Bis die Wände geschlossen werden konnten und über das Monitoring eines zur Hilfe gebetenen Fachplaners deutlich wurde, dass bez. der Wärmepumpe das erhoffte Ziel doch zu erreichen wäre, vergingen wertvolle Monate.
Der Wiedererstellungsbau wurde für alle Akteure zur Belastungsprobe - die mehrfach verschobene Einweihungsfeier, die schließlich die 80-Jahr-Feier des Schulvereins mit subsumieren konnte, aber für einen viel früheren Zeitraum geplant war, zu einer Zitterpartie. Eine Woche vor dem Festakt wurde schließlich deutlich, dass die Feier stattfinden können wird - auch wenn sich noch nicht aller Staub der aufwändigen Arbeiten bis dahin gelegt haben wird - und die sehnsuchtsvoll erwartete Küche der Cafeteria ohne Innenausbau deplatziert wirken würde, da hier sozusagen der Grundstein des Aufbaus nicht rechtzeitig bestellt worden war … „Bauen im Bestand?“ behält auch nach diesem Projekt seinen geheimnisumwitterten Unterton, bei genauerer Betrachtung wird aber der Blick auch auf Hemmnisse frei, die damit gar nichts zu tun haben.
Da aber der Mensch teilweise ein erstaunlich kurzes Gedächtnis für erduldete Leiden hat, wird auch dieses Bauwerk bereits in einigen Monaten durch seine Funktionalität und seinen Mehrwert überzeugen, wird die Schulgemeinschaft mit neuen Aufenthalts- und Rückzugsräumen beschenken, wird der Cafeteria die Möglichkeit geben ihr Potential weiter zu entfalten und ihr Gesamtangebot zu vervollkommnen, wird die über Jahre schmerzlich empfundene Baulücke, die von vielen als Wunde wahrgenommen wurde (und bautechnisch eine darstellte, weil Wasser in Beton sickerte usw.) geschlossen und eine Heilung einer für die Schulgemeinschaft als lähmend empfundene Situation gelingen.
„Gedichte sind gemalte Fensterscheiben … “ beginnt Johann Wolfgang von Goethe sein wunderbares Gedicht und zeigt in metaphorischer Weise die verschiedenen Tiefenstrukturen bei der Annäherung - oder gar beim Eintreten - an oder in etwas Bedeutsames. Etwas davon ist vielleicht - oder hoffentlich - zu erleben, wenn man durch den neuen Haupteingang eintritt und die Ausstrahlung der neuen Räume geniest, die eine neue Mitte des Gesamten sein werden.
Damit erschließt sich der überaus große Dank allen, die sich für die Fertigstellung dieses riesigen Gemeinschaftsprojektes eingesetzt und die die Energie und Zeit, Ausdauer und Disziplin aufgebracht haben, es bis zu seinem gelungenen Ende zu führen! Danke!
