Der Besuch der alten Dame - Klassenspiel der 12. Klasse 2011

2011-12 klassenspiel 12 hp titel

Ende Oktober 2011 führte die 12. Klasse Ihr Klassenspiel "Der Besuch der alten Dame" nach Friedrich Dürrenmatt auf.

Claire Zachanassian, geborene Klara Wäscher, besucht ihre inzwischen verarmte, völlig heruntergekommene Heimatstadt Güllen, die sie als damals Siebzehnjährige entehrt, schutzlos und arm verlassen musste. Sie erwartete vom 19-jährigen Güllener Alfred Ill ein Kind. Der leugnete die Vaterschaft erfolgreich mit Hilfe bestochener Zeugen. Nun kehrt sie als steinreiche Dame zurück, um sich für ein altes Unrecht zu rächen.
Sie verspricht den Bewohnern der Stadt mit ihrem Geld ein sorgloses Leben. Einzige Bedingung: sie müssen ihren damaligen Geliebten Alfred Ill töten. Zuerst empören sich alle über dieses unmoralische Angebot, lassen es dann aber doch geschehen.

Das Thema ist unverändert aktuell. Es bringt frisch auf den Punkt, was jeder Mensch kennt.

Zuerst aus der Bibel: Der Tanz um das goldene Kalb. Eine Metapher für Verehrung von Reichtum und Macht. (2. Mose 32,1–4) Zweitens, „Erst kommt das Fressen, dann die Moral." (Bertolt Brecht, Dreigroschenoper). Drittens aus dem persönlichen Leben im Alltag: Wie verhalte ich mich, wenn es eng wird? Eng in sozialer, beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht, wenn meine Not an Hunger und Durst, an Arbeit und Brot, an Ansehen und sozialem Rang am grössten ist?

Wie solidarisch verhält sich ein Dorf, eine Stadt, ein Land, eine Staatengemeinschaft gegenüber dem Einzelnen, den Minderheiten, den anderen Ländern?

2011-12 klassenspiel 12 hp 2

Was geschieht mit mir, wenn ich in Versuchung geführt werde? Nutze ich die Gelegenheit für mich aus? Wie entscheide ich mich in einer scheinbaren Notsituation? Welches Gewicht haben dann noch die Ideale und sittlichen Wertmassstäbe, die meinen Gemeinschaftsgeist tragen? Welchen Stellenwert haben Moral und Ethik, Religion und Humanismus, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung, gerechte Wirtschaftsordnung, Toleranz und Freiheit, Brüderlichkeit, Gewaltlosigkeit und die Ehrfurcht vor allem Leben?
Dürrenmatts Stück zeigt mir, im Alltag, bei banalen Angelegenheiten, steckt in jedem von uns ein bisschen „Güllener" und „Dame". Was ist man bereit, für seinen scheinbar materiellen Vorteil zu tun? Gibt man das an der Kasse zuviel gezahlte Rückgeld zurück? Füllt man die Steuererklärung wahrheitsgetreu aus? Lässt man sich einlullen, schmieren, kaufen, bestechen, um sich einen Wunsch zu erfüllen? Achtet man jeden Tag, im Kleinen wie auch im Grossen auf die Maxime, wie es das deutsche Sprichwort sagt „Was du nicht willst das man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu?" (nach Neues Testament, Matthäus 7,12)

2011-12 klassenspiel 12 hp 7

Die 12. Klasse spielte mit Charme und Ernst, mit Witz und grosser Tiefe eindrucksvoll die Konflikte und Ausweglosigkeit vor, in die der Mensch sich begibt, wenn er auf ein noch so verlockend materielles Angebot eingeht. Er mag sich rational trösten mit der auf den Kopf gestellten Rechtsprechung von Gerechtigkeit, womit das Stück endet. Aber ich als Zuschauer gehe nach Hause mit der Gewissheit, dass mein Folgen der eigenen innere Stimme des Gewissens zur Gesundung führt, letztlich auch zur materiellen.
Karsten F. Kröncke (E)

2011-12 klassenspiel 12 hp 5

Schon, wenn der Vorraum, besonders die Festhalle betreten wurde, befand sich der Zuschauer in dem armen Städtchen Güllen. Alle Wände waren, in viel Fleißarbeit, mit Zeitungspapier abgeklebt, so dass eine „Armutsatmosphäre" phantasiereich entstand. Die besondere Bestuhlung verstärkte dies. Die Kleidung der Schauspieler unterstrich ebenfalls die Lebensnot, in der die Güllener ausharren mussten. Mit der Bahnhofsszene, zu Beginn, „holte" die 12. Klasse die Zuschauer, schrittweise, in das Theatergeschehen ab. Es folgten Auftritte von ausdrucksstarken Persönlichkeiten in Haupt- und Nebenrollen, die mit den wechselnden Spielörtlichkeiten, (Hauptbühne, Balkon, Seitenbühnen, Empore und Publikumsraum) sich optimal in Szene setzten. Die ernste Thematik war in Lebendigkeit und Einfallsreichtum verpackt. Das schauspielerische Talent eines jeden Schülers ließ einen Abwechslungsreichtum entstehen, der nie eine Langatmigkeit aufbrachte. Auch der schnelle Wechsel zwischen den Geschehensorten, hielt den Zuschauer in Spannung. Schauspielerisch gelang es der Klasse, einen Spannungsaufbau bis zum Höhepunkt „Alfred Ill doch für den Wohlstand des Städtchens zu ermorden" und eine gerechte Begründung für diese Ungerechtigkeit, als Selbstverständlichkeit, grandios zu vermitteln. In diese Abstimmung der Güllener Gemeinde, bezog die Klasse den Zuschauerraum mit ein, so dass sich jeder Zuschauer von dieser „schön geredeten", ungerechten Gemeinschaftstat, angesprochen fühlen musste. Auch die Szene „Mord an Ill im Zuschauergang" zeigte für mich, eine heute noch bestehende Parallele in der Gesellschaft auf, deren Massen bei Ungerechtigkeiten, Ausführende oder Wegschauende sind und auch von denen, nach schon erfolgter Tat, keine Einsicht, sondern eine verhärtete, Gewissensangepasste Argumentation wie hier, „Herzschlag aus Freude", zu hören ist.

2011-12 klassenspiel 12 hp 4

Ich möchte noch erwähnen, dass ich diese „Güllener Gegenwart" viermal besuchte (was ich noch nie bei meinen drei Kindern tat) und es für mich jedes Mal, unabhängig welche Besetzung, die schauspielerische Brillianz der 12. Klasse und die besondere Inszenierung dieser Thematik, eine Bereicherung war.

Dorothea Wolf (E)


Waldorf 100

2019 wird „die Waldorfschule“ 100 Jahre jung! Wir feiern...

➤ www.waldorf-100.org

Spendenbarometer

78,82%
 

Wir sparen auf einen neuen Flügel. Helfen Sie mit das Spendenziel von 50000€ zu erreichen.

Schulferien / Feiertage

Schuljahr 2017/18

Herbst
Tag d.dt. Einheit
Weihnachten
Hl.Dreikönig
Winter
Ostern
Maifeiertag
Christi Himmelf.
Ferientag

Pfingstmontag
Pfingsten
Sommer
26.10.-03.11.'17
03.10.2017
22.12.'17-05.01.'18
06.01.'18
09.02.-16.02.'18
26.03.-06.04.'18
01.05.'18
10.05.'18
11.05.18
21.05.'18
22.05.-01.06.'18
26.07.-07.09.'18

SchülerAbo

SchülerAbo

Antrag zum SchülerAbo

Online ausfüllen und selber ausdrucken.

Förderung der Leuchtmittel

BMUB NKI gefoer Web 300dpi de hoch

 

info3-Banner

Adresse

Freie Waldorfschule Freiburg-Wiehre

Schwimmbadstraße 29
D-79100 Freiburg

Telefon 0761. 791 73 - 0
Telefax 0761. 791 73 - 29
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!