Steinhauen der 12. Klasse in der Toskana (2007/08)


Haben Sie schon einmal Steine behauen? Nach 10 Tagen Marmor bearbeiten, weiß ich, was das heißt. Jeden Tag mit einem Hammer, der zwischen 500 und 750 Gramm schwer ist und einem Spitzeisen, den Stein so zu bearbeiten, dass er die Form annimmt, die wir beide möchten, ist eine strenge Tätigkeit. Sie lesen richtig, ich kann mich nicht nur durchsetzen, es geht vor allem auch darum, zu merken, was möchte ich und was ist mit dem ausgesuchten Stein möglich. Die Auseinandersetzung mit mir selber war bestimmt nicht immer erbauend, aber nach den diversen Abgründen und Höhenflügen bin ich im Nachhinein betrachtet weiter gekommen.

 

Aber, fangen wir von vorne an:


Voller Erwartungen machten wir uns am 27. April 2008 auf den Weg in die Toskana. „Piedi Pazzi“ war der Name unserer Unterkunft und bedeutet „ Verrückte Füße“. Gegen 23 Uhr kamen wir an. Da der Bus nicht bis vor das Haus fahren konnte, wurde das gesammte Gepäck in einen VW Bus mit Anhänger umgeladen und zum Haus transportiert. Nach einem Kilometer Fußmarsch kamen wir schließlich in Piedi Pazzi an.


Herr Seefried, unser Klassenbetreuer, begrüßte uns herzlich und wir durften nach einer kleinen Stärkung unsere Zimmer belegen. Bald kehrte die wohlverdiente Ruhe ein.


Am nächsten Morgen hieß es nach dem Frühstück zuerst einmal ankommen, das Haus und die Umgebung wahrnehmen. Der Vorbereitungskreis, der aus unseren beiden Lehrern und vier SchülerInnen bestand, war schon 2 Tage vorher losgefahren, um die Steine aus Carrara zu holen und das Haus und den Arbeitsplatz auf unsere Ankunft vorzubereiten. Das Haus lag an einem kleinen Fluss, mitten zwischen duftenden Wiesen und Feldern.

 

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Die Zufahrt zu unserem Haus war rechts und links durch Pinien begrenzt, so dass sie eine kleine Allee bildeten. In sichtbarer Ferne, oberhalb unserer Unterkunft, auf toskanischen Hügeln gelegen, gab es einige typische Dörfer, von denen wir Guardistallo besonders ins Herz geschlossen hatten.


Das Haus selber war einfach mit Zimmern für 4 – 6 Schüler, einem großen Gemeinschafts-raum, einer Küche und drei Bädern mit Dusche ausgestattet.


Wir waren in Gruppen eingeteilt, so dass jeden Tag 3 SchülerInnen in der Küche, und zwei SchülerInnen für die Hygiene in den Bädern und Gemeinschaftsräumen zuständig waren. Wir bemühten uns, unsere sozialen Aufgaben ernst zu nehmen, und so klappte alles recht gut. Herr Seefried erklärte uns am ersten Morgen: „ Piedi Pazzi wird das sein, was wir daraus machen“ und das war wirklich so.

Am Nachmittag begrüßte uns Herr Grave hinter dem Haus im sogenannten Werkhof. Hier hatte der Vorbereitungskreis in den beiden Tagen vorher für jeden Schüler einen Arbeitsständer hergestellt. Aus alten ausgedienten Schneehöhenbegrenzungsstangen, die von einer Straßenmeisterei gespendet wurden, ist ein Dreibeiner entstanden, der in der Mitte einen Sandsack aufnehmen konnte. So hatten wir für die teils schweren Steine auch die richtige Arbeitshöhe.


Jeder Schüler durfte sich nun aus den ca. 40 unterschiedlichen weißen Marmorsteinen, seinen Stein, der ihn ansprach und seine Fantasie beflügelte, aussuchen.


Die Entscheidung war gefallen und der Stein auf dem Sandsack platziert. Herr Grave gab die erste Einführung und teilte dann die Werkzeuge aus. Ausgestattet mit einem Fäustel, einem Spitzmeißel und einer Schutzbrille setzten wir zu den ersten Schlägen an.


In den nächsten Tagen konnte man schon erkennen, dass wir der Aufforderung, sich mit der Arbeitstechnik und dem Stein auseinander zusetzen, gefolgt waren. Erste erkennbare Bewegungen in der Form entwickelten sich, und wurden im Verlauf der Arbeit immer deutlicher und in der Oberfläche feiner. Herr Grave stand uns immer mit Rat, aber auch mit Tat zur Seite und gab nützliche Hinweise, wie die weitere Bearbeitung der Marmorsteine sein kann. Sogar Herr Seefried hatte sich einen Stein ausgesucht und war jedes Mal, wenn seine Zeit das zuließ fleißig dabei, ihm seine Form abzugewinnen.


Die erste Exkursion sollte uns nach Colonnata oberhalb von Carrara führen. Dort hatte der Vorbereitungskreis unsere Marmorsteine geholt. Ein kleines Steinarbeiterdörfchen, auch bekannt durch den Lardo, einem Speck, der bald nach der Schlachtung in einer Wanne, die in einen Marmorblock geschnitten ist,eingelegt in Knoblauch und Gewürzen, bis zu 10 Monaten lagern muss.


Sehr imposant waren die Steinbrüche rund herum, so dass wir einen kleinen Eindruck davon bekamen, wo unsere Marmorsteine herkamen, und wie mühsam es sein muss, den Marmor zu gewinnen und zu fördern.


Am Nachmittag war dann Freizeit am Meer. Wie sich sicher alle vorstellen können ein besonderes Vergnügen. Herr Seefried hatte versichert, Sonne, Meer und ganz viel Sand. Das war dann auch so, wobei wir ehrlich zugeben mussten, bei der Sonne hat noch jemand geholfen. Zufrieden, das Meer war ein besonderes Erlebnis, fuhren wir pünktlich um 19.00 Uhr zurück nach Cecina ( Piedi Pazzi ), wo wir gegen 20.30 Uhr ankamen.


Die zweite Exkursion führte uns nach Florenz, eine Pflicht, wenn man sich auf einer Kunstreise in der Toskana befindet.


Herr Grave gab uns am Vorabend einen kleinen Einblick, auf was wir in Florenz achten sollten, da ja auch Museumsbesuche angesagt waren.


Orazio, ein Architekt und Maltherapeut führte uns durch drei Museen, begleitet von Michael, dem Bruder von Herrn Seefried.


Das erste Museum war das Museo dell`Opera del Duomo. Sehr eindrücklich stellte uns Orazio Florenz die Kunststadt in seiner Landessprache vor und gab uns tiefe Einblicke in die Hintergründe und Zusammenhänge der ausgestellten Skulpturen. Alles wurde von Michael bestens übersetzt, so dass wir Orazio in seiner Sprache, Mimik und Gestik erleben konnten und trotzdem verstanden.


Orazio und Michael hatten für die Klasse ein kleines Lokal ausgesucht und Plätze reserviert.
Jetzt hatten wir eine Stärkung verdient und somit eine gemeinsame Mittagspause.


Danach führte uns Orazio ins Museo Nazionale del Bargello. Auch hier war es uns möglich dem Führungsteam in seinen Ausführungen zu folgen. Den Abschluss bildete die Galleria dell Accademia mit der imposanten Figur des David, die uns sehr beeindruckte.


Da wir noch zwei Stunden Zeit hatten, bis der Bus uns wieder nach Piedi Pazzi bringen sollte, war natürlich Stadtbummel angesagt, den wir sehr intensiv auslebten.

Die letzten 2 Tage vergingen wie im Flug. Da jeder seinen Marmorstein fertig stellen wollte, war bei manchen Schülern noch intensive Arbeit angesagt, um das Ziel auch zu erreichen.

 

Denn das ist der Kunst Bestreben,
Jeden aus sich selbst zu heben,
ihn dem Boden zu entführen;
Link und Recht muss er verlieren
Ohne zauderndes Entsagen;
Aufwärts fühlt er sich getragen!
Und in diesen höheren Sphären
Kann das Ohr viel feiner hören,
Kann das Auge weiter tragen,
Können Herzen freier schlagen.

Johann Wolfgang von Goethe


Am letzten Tag, nachdem wir das ganze Gelände von groben Marmorsplittern befreit und gründlich aufgeräumt hatten versammelten wir uns abends noch zu einem kleinen Fest am Fluss mit Lagerfeuer und Stockbrotteig. Jeder konnte für sich die letzten zwei Wochen noch einmal vorbeiziehen lassen und so eine besondere Zeit in der Toskana abschließen. Erinnerungen vom Meer, von dem kleinen Dorf Guardistallo, vom Baden im Fluss in unseren Mittagspausen, vom Joggen am Abend, vom Bogenschießen, von Florenz, von meinem Stein, vom Kochen und vielen anderen ungesagten Dingen, wurden nicht nur in Gedanken bewegt. Eine besonderer Zeit ging zu Ende.


Das letzte Frühstück begann um halb sieben. Danach war Aufräumen, putzen und packen angesagt. Für uns mittlerweile Routine. Alles wurde zu unserer Zufriedenheit bestens ausgeführt, so dass um 10.00 Uhr der große Abschied und Aufbruch stattfinden konnte.


Im Rückblick waren es sehr lehrreiche, lustige und vor allem schöne Tage. Herr Seefried hat der Klasse ein besonderes Lob gemacht: „ Die Klasse hat aus einem einfachen, alten Haus einen Palast gemacht.“ Einen ausdrücklichen Dank an alle SchülerInnen für diese gemeinsame besondere Zeit in Piedi Pazzi!!!

Zu guter letzt bedanken wir uns im Namen der ganzen Klasse bei allen, die zu dieser aussergewöhnlichen Reise beigetragen haben.


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